April 8, 2008...9:17 Uhr vormittags
alles Gute kommt von oben.
Die armen Rentner haben ja wirklich keinen Spaß mehr im Leben.
Keine Kohle, kranke Knochen und bald sollen ihnen auch noch die Führerscheine wegggenommen werden. Die Enkel besuchen sie nur, wenn man sie mal wieder Geld brauchen, die eigenen Kinder empfinden sie als lästig. Treppensteigen ist nicht mehr, ausser wenn man mal wieder zum Arzt muss, was meistens sowieso jeden zweiten Tag der Fall ist. Die besten Freunde sind nicht mehr die aus der Kindheit (alle schon verstorben), sondern der Hausarzt und die furchtbar nette Apothekerin unten an der Straße.
Da könnte man ja fast Mitleid bekommen, wenn da nicht ein winziges Detail wäre, das oftmals übersehen wird. Vor lauter Langweile suchen sich besagte Personen nämlich kleine Hobbys, die ihnen den tristen Alltag ein wenig versüßen. Böse Blicke und strafende Kommentare wie “die Jugend von heute” stehen da an der Tagesordnung. Und wenn es ihnen mal nicht schnell genug geht, dann kann man auch schon mal von einem schwächlichen Mittachtziger beiseite geschubst werden.
Rüpelhafte, rempelnde Rentner? Nein. Also meine Oma ist ganz lieb.Schwer zu glauben, bis man es am eigenen Leibe erfährt. Nichtsahnend laufe ich morgens zu meinem Auto. Nette kleine Straße, denke ich.
Mit schönen hohen Häusern. Oben am Fenster sitzt eine Oma und genießt den Ausblick.
Oder beobachtet ihre Nachbarn. Was auch immer.
Bin schon unterm Fenster durch, als ich ein komisches Geräusch höre. Wie ein leises Platschen. Nein. Hat sie nicht, denke ich. Drehe mich um und schaue auf den Boden. Ein kleiner nasser Fleck.
Hat sie doch! Ich schaue nach oben. Die Oma ist verschwunden.


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